Schorsch Mannix (Vgl. Horsti Stinkstiefel)

In diesem Forum dreht sich alles um die deutschen Oldies aus den 50er, 60er und 70er Jahren.

Moderator: Manfred

Schorsch Mannix (Vgl. Horsti Stinkstiefel)

Beitragvon waelz » Freitag 24. Februar 2012, 00:39

Schorsch Mannix: Spassmacher mit traurigem Abgang

Die Geschichte von Schorsch Mannix ist eine Geschichte, die hoffnungsvoll beginnt aber traurig endet. Es ist die Geschichte von zwei Musikanten, die sich nach oben hangeln, oben ankommen und sich dann zerstreiten. Schorsch Mannix war von mitte der 70er Jahre bis anfangs der 80er Jahre der Spassmacher bei den „3 Besoffskis“. Das Trio verkaufte Millionen von Schlagern mit schlüpfrigen Texten und gilt als Wegbereiter des Ballermann-Schlagers. Mannix verliess die Gruppe, weil er sich finanziell hintergangen fühlte. Er hatte zu Beginn der 70er Jahre seine Karriere als Alleinunterhalter und als Partner von Joe Raphael begonnen. Von Mannix sind von 1971 bis Ende der 70er Jahre sieben Solo-Singles erschienen.

Wälz Studer

Schorsch Mannix kam am 19.4. 1933 in Nordhorn als Georg Manning zur Welt. Er genoss Trompeten- und Akkordeon-Unterricht. Nach der Schule liess er sich zum Kinoeinrichter ausbilden. 1965 kam er zum Südwestfunk nach Baden-Baden, wo er Studios einrichtete. Abends sang er im Kreise der „Nordlichter“ hie und da ein Liedchen oder spielte auf dem Akkordeon. Mit der Zeit machte sich Manning einen Namen als Stimmungsmusiker. Bald bildete er zusammen mit dem Drummer Max Weber ein bekanntes Duo. So wurde er zum bekanntesten Ostfriesen von Baden-Baden.
Bei einem der Auftritte des Duos Ende der 60er Jahre wurde Joe Raphael auf Georg Manning aufmerksam. Joe Raphael war Bassist in einem Trio gewesen, mit dem er in Baden-Baden gestrandet war. Er hatte einige Singles veröffentlicht, die sich auch ganz gut verkauft hatten. Allerdings lief zur Zeit, als er Manning traf, sein Plattenvertrag aus. Raphael gründete deshalb um 1970 mit „Juventus“ ein eigenes Label. Auf diesem veröffentlichte er vor allem sich selbst, aber auch Singles von Billy Mo, der ebenfalls seine besten Jahre bereits hinter sich hatte.

1971: Start mit „Scheissegal“
Als 1971 Tony Marshall, ein anderer Sänger aus Baden-Baden, mit „Schöne Maid“ einen Riesenhit landete, wollte Raphael ebenfalls eine Stimmungsnummer auf seinem Label herausbringen. Er selber versuchte sich zu jener Zeit noch als Chansonnier. Deshalb bot er die Nummer „Scheissegal (ob du Huhn bist oder Hahn)“, Georg Manning, dem lokalen Stimmungsmacher an. Die Melodie basiert auf dem Volkslied „Das Lieben bringt groß Freud". Als Solokünstler bekam Manning den Künstlernamen „Schorsch Manning“ verpasst.
Was keiner erwartete: „Scheissegal“ entwickelte sich zu einem Hit. Insgesamt verkaufte sich die Nummer rund 50‘000mal. Raphael nahm sie später mit den „3 Besoffskis“und mit Horsti Stinkstiefel nochmals auf. Schnell schob Raphael mit „Rosen, Tulpen und Narzissen“ eine zweite Single nach. Sie verkaufte sich wiederum so gut dass Raphael auch dieses Lied später mit den „Besoffskis“ nochmals aufnahm.
Interessantes Detail am Rande: Offenbar vertraute Raphael dem Hitpotential seiner Stimmungslieder nicht so ganz. Nur so ist zu erklären, dass auf den beiden ersten Singles von Mannix Bezug genommen wird auf sein Image als Ostfriese vom Dienst. Auf der ersten Single findet sich auf der Rückseite „Der Ostfriesen-Tango“, auf der zweiten Single der Titel „Ostfriesenlied“. Die Sicherung war unnötig: Die Masche mit den Schlagern mit deftigen bis schlüpfrigen Schlagern erwies sich als erfolgreich:
So erfolgreich, dass Schorsch Mannix seinen bürgerlichen Beruf aufgab. Er trat als Solist auf und im Duo mit Joe Raphael. „Wir spielten überall. Raphael moderierte und sang. Ich begleitete auf dem Akkordeon und sorgte –wenn gewünscht- für Spässe“, erinnert sich Manning an die frühen 70er Jahre.
Und auch so erfolgreich, dass Joe Raphael seine Bemühungen aufgab, als Chansonnier zu Erfolg zu kommen. 1973 stieg er um auf Stimmungsschlager und lancierte sein Projekt „Joe Raphael und die Party-Singers“.
Raphael vertrieb seine Platten praktisch nur über die Automatenaufsteller. Damit konnte zwar nicht das ganz grosse Geschäft machen, aber ein regelmässiges. 1973 waren in der Bundesrepublik über 100‘000 Musikboxen in Betrieb.
In jener Zeit traf Raphael Horst Götze, der mit „Flower Records“ ebenfalls ein kleines Label betrieb. Götze war ein ehemaliger Studiomusiker. Götze und Raphael einigten sich auf eine Zusammenarbeit und beschlossen, gemeinsam deftige und zweideutige Lieder zu schreiben, aufzunehmen und auf „Flower Records“ herauszugeben. Die Nummern sollten gemeinsam geschrieben und die Rechte im eigenen Verlag „Cantus“ gesichert werden. An dem Geschäft nicht beteiligt war Raphaels Partner Manning, der allerdings im Glauben war, er wäre Teil des Deals.

Mannix wird Mitglied der „3 Besoffskis“
Es war die Geburtsstunde der „3 Besoffskis“. Dazu erweiterte Raphael das Duo Raphael/Manning um Götze. Er kam als dritte Stimme hinzu. Die erste Single „Ein schöner weisser Arsch“ erschien 1974. Die Aufnahmen der „Besoffskis“ entstanden in den Bauer-Tonstudios in Feuerbach bei Stuttgart. Begleitmusiker waren in der Regel die Mitglieder der „Hitkids“, der damaligen Begleitband von Joy Fleming und Bläser vom Orchester des Südfunk Stuttgart. Die Arrangements schrieb meist Peter Drischel alias Pete Tex, der ab 1974 für „Flower Records“ tätig war.

„Puff von Barcelona“ bringt Troubles mit den „Hots Dogs“ und Budde
Bereits die zweite Single der „3 Besoffskis“ geriet zum Hit: 1975 brachten sie „Ole wir fahr’n in Puff von Barcelona“ heraus. Die Single verkaufte sich über 500’000mal und ist heute noch ein Renner. Die Nummer beruht auf der Melodie von „Funiculi, Funicula“. Leider waren die Rechte des Volksliedes zu diesem Zeitpunkt noch nicht frei, weshalb es zu einem Streit mit dem Rechteinhaber, dem Verlag Budde in Hamburg, kam. Die Differenzen konnten aussergerichtlich bereinigt werden. Es folgten aber auf der Stelle neue Schwierigkeiten. Ein Tontechniker der Bauer Studios hatte eine Kopie der Aufnahmen vom „Puff von Barcelona“ an einen Musiker der „Hot Dogs“ weitergegeben. Die hatten 1974 die die Melodie von „Funiculi Funicula“ für die Nummer „Schau hi, da liegt a toter Fisch im Wasser“ verwendet. Sie wollten deshalb den Verkauf vom „Puff von Barcelona“ stoppen lassen. Die „3 Besoffskis“ konnten indes nachweisen, dass sie zum Zeitpunkt der Klage bereits über 150‘000 Singles verkauft hatten, weshalb das Gericht nicht auf die Klage eintrat.

Die derben Nummern der „Besoffskis“ verkauften sich wie warme Semmeln. Das hatte Auswirkungen auf die Arbeit: Die Partner einigten sich intern auf eine Arbeitsteilung: Raphael übernahm Produktion, Verkauf und Titelauswahl, was vor allem hiess, dass er gemafreie Lieder suchte, auf die man einen frechen Text reimen konnte. Manning betreute die Sender und Götze besorgte Administration und Organisation der Auftritte, denn zum Schallplattengeschäft kamen jetzt auch Live-Auftritte. Auch auf der Bühne waren die Rollen klar verteilt: Joe Raphael war der Gentleman, Manning der Spassmacher und Götze der Musiker. „Götze hatte ja kaum Bühnenerfahrung, der verdrückte sich gern in den Hintergrund. Der musste die Unterhaltung ja erst mal lernen. Aber der hat sich dann ganz gut entwickelt“, beschreibt Manning die Situation.

Klau die Melodie und mach einen frechen Text darauf

Das Konzept der „Besoffskis“ war einfach, aber erfolgreich: Meist auf die Melodie eines Volksliedes wurde ein derber Text gedrechselt, den Manning oft aus dem Stegreif heraus reimte. Der Titel wurde im Vokalsatz eingesungen. Mitklatschen, Mitschunkeln und Mitsingen war erwünscht. Es entstand der Partysound der 70er und frühen 80er Jahre.

Manning blieb all die Jahre im geschäftlichen Bereich aussen vor. Er lieferte Sprüche und Reime, besuchte die Sender, was aber für den Vertrieb der Platten in diesem Fall nicht sehr bedeutend war. Erstens spielten die Sender die Platten von „Flower“ und „Juventus“ kaum, weil sie nur bedingt radiotauglich waren und zum zweiten war der wichtigste Vertriebskanal die zehntausenden von Musikautomaten. Deshalb widmete sich Manning vor allem seinem Lokal „Alt Baden“, das er in der Altstadt von Baden-Baden betrieb.
In den frühen 80er Jahren kam es zu Spannungen zwischen Manning und dem Gespann Raphael/Götze. Manning erkannte, dass er weder am Verlag noch am Label einen Anteil hatte, obwohl er etliche Produktionen vorfinanziert hatte. Der Streit um finanzielle Anteile am Gewinn der Firmen entzweite Manning und Raphael. Manning stieg anfangs der 80er Jahre aus. Ohne Manning als Spassmacher war das Ende der „Besoffskis“ absehbar. Es bedeutete auch das Ende des finanziellen Erfolgs der Unternehmungen von Götze und Raphael, weil die „Besoffskis“ die Haupteinnahmequelle gewesen waren. Kurze Zeit später zogen die beiden Partner die Reissleine. Sie verkauften ihre Labels an „AZ-Records“ in Duisburg und den Verlag an den Schacht-Verlag.

Epilog
Joe Raphael verstarb 2009 in Baden-Baden.
Horst Götze lebt in Bonn und produziert Videofilme. Georg Manning lebt als Rentner in Baden-Baden und frönt seinem Hobby, der Schifffahrt.


Diskografie


Schorsch Mannix

Juventus
1971 716 Scheissegal, ob du Huhn bist oder Hahn/Ostfriesen Tango
718 Ostfriesenlied/Rosen, Tulpen und Narzissen
724 Ein Küsschen in Ehren…/Auf in den Kampf, die Schwiegermutter
naht
730 Sexy Po/Die letzte Jungfrau
738 General Schlambambes/Darf ich noch einmal
744 Wer nichts wird, wird Wirt/Ostfriesen-Tango

Flower
2173 Bumsen, Fressen und Besoffensein (Mannix)/
Gruppensex im Altersheim (3 Besoffskis)



3 Besoffskis

Singles

Flower Records
1974 2057 Ein schöner weisser Arsch/Lachen ist gesund
Alt. Cover Ein weisser Ar (durchgestrichen) Po/Lachen ist gesund
1975 2070 Puff von Barcelona/Sybille
1975 2079 Klosett-Tango/Die Welt ist schön
2084 Bumsen ist schön/Der Glöckner von Speyer
2093 Was geht das uns an/Es ist so schön, so besoffen zu sein
2103 Hosenladen-Boogie/Er war der Grösste
2099? 2111 In Hollywood ist der Puff kaputt/Als ich aus Alabma kam
2120 Schieb’n nei/Ein Scheich im fernen Orient
2131 Hast Du Weinbrand in der Blutbahn/ Ein Scheich im fernen Orient
2144 Am Pipi – am Popo/Klosett-Tango
2154 Gruppensex im Altersheim/Ein schöner weisser Arsch
2162 Lieber ‘ne Leberzirrhose/
Wie’s mir geht (Nichts zu saufen, nichts zu beissen (Stinkstiefel)
2169 Wir kaufen uns ‘nen winzig kleinen Puff/
2175 Schali-Schala-Schalu (Opas Stossgebet)/Puff von Barcelona
2176 Der Glöckner von Speyer/Süsse kleine Maus (Stinkstiefel)
2180 Es juckt (Jucke hier – Jucke da)/Schweine Tango
2182 Die Weiber und der Suff/Rucki-Zucki-Super


Juventus
807 Hosenladen-Boogie

AZ-Records
1987 2180 In Hollywood ist der Puff kaputt/ Es Juckt - Jucke Hier Jucke Da
2186 Null Problemo/Good Bye Songs



LP’s

Flower
10 3 Die grosse Wildau-Fete
2 2 Die grosse Wildsau-Party
Benutzeravatar
waelz
memoryradio Moderator
 
Beiträge: 2501
Registriert: Freitag 14. Oktober 2005, 19:30
Wohnort: Kreuzlingen

Zurück zu Deutsche Oldies

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: Google [Bot] und 22 Gäste